Für körperlich Behinderte birgt ein Auslandsaufenthalt andere Herausforderungen und wirft andere Fragen auf.
von Janna Degener
Fremde Sprachen für taube Ohren
Kann ich trotz meiner Hörbehinderung eine fremde Sprache lernen? Sind meine Sprachkenntnisse gut genug, um in der Fremdsprache die Lippen zu lesen? Kann ich einen Gebärdendolmetscher oder eine Mitschreibkraft mit ins Ausland nehmen oder finde ich vor Ort Unterstützung? Für Studierende mit Hörbehinderung ist die Kommunikation in der Fremdsprache häufig die größte Herausforderung bei einem Auslandsaufenthalt: Katharina hatte als Austauschstudentin in Spanien anfangs Schwierigkeiten, dem schnellen Redefluss der Muttersprachler zu folgen.
Für die ersten zwei Wochen war ihre Gebärdendolmetscherin aus Deutschland mit dabei, danach musste sie allein zurechtkommen. Bei ihr war das kein Problem, weil sie in Spanien an einem Projekt arbeitete statt Vorlesungen und Seminare zu besuchen. Ein anderes Beispiel zeigt aber, dass auch für stark schwerhörige Studenten ein Studiensemester im Ausland durchaus möglich ist: In seinem Erfahrungsbericht erzählt ein Student, dass er an seiner englischen Hochschule Vorlesungen mit Mikroportanlage besuchte und in den weniger besuchten Seminaren am Nachmittag sogar ohne auskam. Nur an einem mehrtägigen Workshop konnte er im Ausland aufgrund seiner Hörbehinderung nicht teilnehmen.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen e.V. ist die erste Anlaufstelle für Studierende mit Hörbehinderung, die einen Auslandsaufenthalt in Erwägung ziehen. Hier kannst du nicht nur die BHSA-Studienführer und einen Erfahrungsbericht herunterladen, sondern dich auch individuell beraten lassen. Mehr Informationen dazu findest du auch auf www.auslandsstudium-mit-behinderung.de.
Mit Braille-Laptop, Taststock und Blindenhund![]()
Während viele Hochschulen im Ausland inzwischen offenbar Orientierungs- und Mobilitätstrainings für Studierende anbieten, scheinen sich die sonstigen Bedingungen für blinde und sehbehinderte Studierende stark von Land zu Land zu unterscheiden. Schwierig gestaltete sich Margits Praktikum in England: Nicht nur bei der Einreise, sondern immer wieder stieß sie vor Ort auf Schwierigkeiten, weil sie ihren Blindenhund aus Deutschland mitgebracht hatte. Sehr gute Erfahrungen hat dagegen Jochen in Australien gemacht. „Jede Bibliothek ist mit behindertengerechten Computerarbeitsplätzen ausgestattet und verfügt darüber hinaus über diverse Serviceleistungen (z.B. Kopierdienste). Außerdem wurden problemlos gesonderte Räume und Aufsichten für Klausuren bereitgestellt und somit die optimale Bewältigung der Prüfungsleistungen für Behinderte gewährleistet", berichtet er. „Sämtliche Tests können mit der Unterstützung von Vorlese- und Schreibkräften absolviert werden, in den Bibliotheken finden sich zahlreichen blindengerechte Computerarbeitsplätze, es ist Begleitung in die einzelnen Kurse möglich, und man kann sich sogar Blindenschriftmaschinen ausleihen." Außerdem wurden aufgrund seiner Behinderung die Bedingungen für einen Erlass der Studiengebühren durch das International Office erleichtert. Auch Mong Lan konnte an ihrer französischen Universität von mehr Zeit für Prüfungen und Kopien in Großdruck als Nachteilsausgleich und einem Arbeitsraum für Studierende mit Behinderung profitieren. Die unübersichtliche Orientierung in der Großstadt stellte sie vor die eine oder andere Hürde: Angenehm fand sie, dass es in Paris „an den Bahngleisen und Treppenansätzen fast ausnahmslos spürbare Warnstreifen gibt." Dafür leuchten die Verkehrsampeln in ihrer Wahrnehmung hier um ein vielfaches schwächer als die deutschen.
Hilfreiche Informationen über Stipendien finden blinde und sehbehinderte Studierende auf www.auslandsstudium-mit-behinderung.de. Beim Karlsruher Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) findest du Hochschulen in Deutschland, Europa und dem außereuropäischen Ausland mit speziellen Angeboten insbesondere für Blinde und Sehbehinderte. Schließlich bietet auch der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) eine Beratung an.
Mit dem Rolli in die Welt
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st die Hochschule barrierefrei? Gibt es vor Ort geeignete Wohnungen? Wie rollstuhlfreundlich ist die Stadt? Wer kann mich vor Ort unterstützen? Wer im Rollstuhl sitzt und im Alltag auf eine Assistenz angewiesen ist, muss vor dem Auslandsaufenthalt ziemlich viele Dinge beachten. Janine Mohr erzählt hier auf go-out.de von den ausführlichen Vorbereitungen ihres Auslandspraktikums in Spanien.
Viele interessante Informationen findest du in dem englischsprachigen Magazin „für aktive Rollstuhlfahrer" New Mobility.
Die zitierten und weitere Erfahrungsberichte findest du in der DAAD-Broschüre "Generation ERASMUS", beim Deutschen Studentenwerk und bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Behinderung und Studium e.V.
Im Rahmen des ERASMUS-Programms können Behinderte und chronisch Kranke beim DAAD eine Sonderförderung für ihren Auslandsaufenthalt beantragen! Alle Infos dazu findest du in der Broschüre „Generation ERASMUS".
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