von Janna Degener
Man singt „Oh, du Fröhliche" oder „In der Weihnachtsbäckerei", isst Ente oder Käsefondue, freut sich auf den Gottesdienst oder die Bescherung... - so unterschiedlich das Fest in Deutschland auch gefeiert wird: Die meisten Studierenden verbringen Weihnachten doch wohl gewöhnlich gemeinsam mit ihrer Familie bei Plätzchenduft und Kerzenschein unter dem Tannenbaum. Auch wenn sie gerade eigentlich für ein Auslandssemester oder -praktikum woanders sind, nutzen viele diese Gelegenheit für einen Heimatbesuch. Doch eine spannende Erfahrung ist es auch, das Weihnachtsfest einmal in einem anderen Land zu erleben...
Familiäres Weihnachtsfest in der Ferne
Die Augsburger Lehramtsstudentin Claudia zum Beispiel hatte während ihres Auslandssemesters in Mexiko die Gelegenheit, Weihnachten in einem kleinen Dorf bei der Familie eines mexikanischen Kommilitonen zu feiern. Ricardo hatte sie auf einem Mathe-Kongress kennengelernt - schon lange, bevor er sie zum Weihnachtsfest mit seiner Familie einlud. Claudia war sofort begeistert von der Idee und sagte zu. Also fuhr sie kurz vor Weihnachten gemeinsam mit Ricardo zu seiner Familie und half Mutter und Schwester bei den Vorbereitungen: Auf dem Markt wurden alle Zutaten für das Festessen besorgt, dann wurde gemeinsam ein Punsch aus Zuckerrohr und Früchten hergestellt und schließlich das Schweinefleisch gefüllt. Nach dem Gottesdienstbesuch gab es eine Bescherung für die kleinere Tochter der Familie, danach wurde gegessen und geplaudert. Am 25. wurde auf der Terrasse gegrillt und ein Spaziergang zu einer kleinen Kirche gemacht - warm genug dafür war es hier auch im Dezember allemal. Obwohl sie vorher große Angst vor dem Heimweh gehabt hatte, war das mexikanische Weihnachtsfest insgesamt ein richtig schönes Erlebnis für Claudia: „Ich habe nichts vermisst, weil ich mich ohne das gewohnte Umfeld mit Schnee, Familie und Christmette überhaupt nicht wie an Weihnachten gefühlt habe. Stattdessen war alles einfach anders, toll, faszinierend, spannend."
Multikulti-Weihnachten mit anderen ausländischen Studierenden
Wer Weihnachten nicht wie Claudia in einer Art Gastfamilie verbringen kann oder möchte, feiert vielleicht gemeinsam mit anderen ausländischen Studierenden. Das hat auch Juliane in Schweden so gemacht: Sie besuchte das erste Mal einen schwedischen Gottesdienst und veranstaltete ein Festessen mit ihrer Mitbewohnerin und weiteren Kommilitonen aus Bulgarien, der Türkei und afrikanischen Ländern: Am 24. gab es nach bulgarischer Tradition neun verschiedene, größtenteils vegetarische Speisen, am 25. Ente, Rotkohl und extra aus Deutschland angelieferte Klöße. Danach haben alle zusammen einen Schneemann im Park gebaut und auf Tüten gerodelt und schließlich einen Weihnachtsfilm angesehen. Juliane wollte bei ihrem multikulturellen Weihnachtsfest in Schweden unbedingt einen guten Freund aus Deutschland dabei haben. Und so war das Ganze für sie dann ein richtig gelungener Abschluss ihres Auslandssemesters!
Auch Monika war es wichtig, zu Weihnachten „ein Stück Zuhause" dabeizuhaben, so dass ihre beste Freundin aus Deutschland sie über die Ferien in Kanada besuchte. Eigentlich wollte Monika mit ihr und befreundeten Kommilitonen aus Österreich ein „deutsches" Weihnachtsfest in Kanada veranstalten. Doch dann stießen noch ihre muslimische Mitbewohnerin und ihr kanadischer Freund dazu. Am 26. haben Freunde aus Simbabwe, Sambia und Jamaika dann extra für sie einen Truthahn gebraten, den sie selbst anschneiden durfte. So hatte auch Monika ein richtig multikulturelles Weihnachtsfest - inklusive Sprachenwirrwarr, kulinarischen Spezialitäten aus verschiedenen Ländern und einem Mordsspaß.
Besinnlichkeit pur - in der Natur
Für ein völlig anderes Weihnachten dagegen entschieden sich Martin und Carolin. Martin reiste - nach seinem Auslandssemester in Kolumbien nach Ecuador - gemeinsam mit einem Freund aus Spanien, den er an der Uni in Kolumbien kennengelernt hatte. In ihrem Hostel in der Hauptstadt Quito waren viele junge Japaner, die das Weihnachtsfest mit Bier und Chips verbringen wollten. Aber Martin und sein Freund entschieden sich, an diesem Tag etwas ganz
Außergewöhnliches zu unternehmen: Sie fuhren mit einer Seilbahn auf einen Berg und machten eine Wanderung zu einem nahegelegenen Vulkangipfel auf 4500 Metern Höhe. Zwischendurch hatten sie einen tollen Blick auf die Stadt. Am Nachmittag liefen sie dann wieder zurück und bekamen gerade noch die letzte Seilbahn nach unten. So konnten Martin und sein Freund ihren rundum gelungenen außergewöhnlichen Weihnachtstag schließlich doch noch ganz klassisch abschließen: Mit einem Weihnachtskonzert von Beethoven in einer wunderschönen Kirche.
Carolin dagegen hat ihr Weihnachtsfest auf den Philippinen verbracht, wo sie für zwei Semester studierte und bei einer NGO arbeitete. Über ihren Professor bekam sie die Möglichkeit, Weihnachten in einem abgelegenen Naturpark auf einer tropischen Insel zu verbringen. Gemeinsam mit den Parkwächtern und einem anderen Studenten aus Brasilien hat sie tagsüber Schilder für einen touristischen Dschungelpfad gemalt und im Wald angebracht. Weil es dort keinen Strom gab und um sechs Uhr die Sonne unterging, verbrachte der Trupp den Abend dann bei Kerzenlicht und ohne Musik mit einer Flasche Rum, um später unter freien Himmel bei Dschulgeräuschen zu schlafen. Carolins Fazit: „Wunderschön! Ich bin richtig zur Ruhe gekommen und habe absolut nichts vermisst!"
© Bilder 1-13: Janna Degener/ DAAD